Dissexualität beschreibt sexuelles Verhalten, das die Grenzen und die sexuelle Selbstbestimmung eines anderen Menschen verletzt. Der Begriff stammt aus der Sexualmedizin.
Das Entscheidende steckt schon in dieser Definition: Es geht um Verhalten. Nicht um das, was jemand fühlt, sich vorstellt oder begehrt.
Warum die Unterscheidung zählt
Eine Sexualpräferenz ist das, worauf ein Mensch sexuell ansprechbar ist. Sie entsteht früh und wird nicht gewählt. Dissexualität dagegen ist eine Handlung, und Handlungen sind beeinflussbar.
Für Pädophilie und Hebephilie heißt das: Eine solche Sexualpräferenz zu haben ist nicht strafbar. Sie auszuleben ist es, denn dabei kommen Kinder oder Jugendliche zu Schaden. Zwischen diesen beiden Sätzen liegt der Raum, in dem Therapie arbeitet.
Was nicht gemeint ist
Der Begriff ist keine eigene Diagnose und sagt nichts darüber, ob jemand verurteilt wurde. Er ist auch nicht deckungsgleich mit „Paraphilie“: Was Erwachsene im Konsens miteinander tun, gehört nicht hierher.
In der Therapie
Hier laufen zwei Dinge nebeneinander.
Das eine ist die Verhaltenskontrolle: die Situationen, in denen es kippt, die Muster davor, tragfähige Schutzmaßnahmen. Ein strukturiertes Verfahren dafür ist BEDIT.
Das andere wird leicht übersehen. Eine Sexualpräferenz verschwindet nicht dadurch, dass jemand sie im Griff hat. Sie bleibt. Wer eine Präferenz hat, die nie gelebt werden darf, steht damit vor einer zweiten Aufgabe: ein Leben zu führen, in dem das aushaltbar ist. Dazu gehört das Selbstbild, die Einsamkeit, und ein Stück Trauer darüber, dass ein Teil der eigenen Sexualität dauerhaft unerfüllt bleibt.
Beides gehört zusammen. Kontrolle allein trägt auf Dauer selten.
Wenn das Ihr Thema ist
In meiner Praxis arbeite ich mit Menschen, die im Zusammenhang mit einem Sexualdelikt in Konflikt geraten sind, und mit Menschen, bei denen noch nichts passiert ist und die wollen, dass das so bleibt. Mehr auf der Seite Sexualdelikte, Paraphilien und belastende sexuelle Impulse. Wenn Sie selbst sexuelle Gewalt erlebt haben, führt Sie die Sexualtherapie weiter.






